Fachfortbildung Blutegeltherapie
Einführungsseminar
Seminarinhalt:
• Was sind Blutegel
• Wie wirkt die Blutegel-Therapie
• Haltung der Blutegel
• Patientenvorbereitung und Aufklärung
• Indikationen und Kontraindikation
• Wundversorgung und Nachsorge
• Aus der Praxis für die Praxis
• Abrechnung
• Üben untereinander, aufsetzen der Egel (Pflicht)
Blutegel-Therapie-Zentrum
Informationsseite über die Blutegeltherapie für Therapeuten
Die Blutegeltherapie ist eine sehr alte Therapie, die schon vor etwa 2000 Jahren in medizinischen Schriften Erwähnung fand. Immer mehr Heilpraktiker und Ärzte bieten diese Therapie in ihren Praxen an. Die nachfolgenden Informationen, sollen das Interesse an dieser Therapie wecken.
Was sind Blutegel?
Blutegel gehören, der deutschen Namensgebung nach, zur Familie der Ringelwürmer (Anneliden). Ein enger Verwandter dieser Tiere ist der Regenwurm. Es gibt sie bereits seit mehr als 450 Millionen Jahren. Sie entwickelten sich aus den Ur-Ringelwürmern und haben sich bis zur heutigen Zeit kaum verändert. Damit der Egel leben, und sich auch reproduzieren kann, braucht er Blut. Das Blut bekommt er von seinen Opfern, zunächst von Wassertierchen wie Amphibien und kleinen Fischen, später dann von Säugetieren, also Warmblütern. Bis zur Geschlechtsreife benötigt der Egel ca. 3-4 Jahre. Blutegel sind Zwittertiere und können sich gegenseitig befruchten. Nach der Befruchtung kann es Monate dauern bis der Blutegel dann, in einem von ihm selbst gebildeten Kokon, ca. 20-30 Eier in Ufernähe ablegt. Blutegel können mehrere Kokons in einem Jahr ablegen. Aus den Eiern schlüpfen die Jungegel, und können sich zunächst vom Dotter ernähren, bis sie zwischen 1-und 6 Monaten zum ersten Mal beißen.
Wie wirkt die Blutegeltherapie?
Blutegel beißen mit Ihren winzigen Kiefern an einer beliebigen Stelle des Körpers an und raspeln mit Ihren Kalkzähnchen die Haut auf. Dabei sondern sie ein Sekret (Speichel) ab, welches aus mehr als 30 verschiedenen Substanzen besteht und von denen nur etwa 10 erforscht sind. Die wichtigsten Stoffe sind Hirudin und Calin. In Kombination mit den anderen Substanzen, wirkt Hirudin (ein Protein), gerinnungshemmend, entzündungshemmend, antibakteriell, antiviral, entstauend und durchblutungsfördernd. Ebenso ist die analgetische Wirkung dieser Substanz zuzuschreiben. Die genauen Mechanismen sind noch nicht vollkommen erforscht. Die Wirksamkeit der Blutegeltherapie ist jedoch unbestritten. So nutzt die Schulmedizin diese Therapie mit großem Erfolg auch in der Replantationschirurgie. Von den etwa 600 Egelarten, sind in der Medizin bisher nur 15 zum Einsatz gekommen. Heute nutzt man in Mitteleuropa nur 2 Arten zur Therapie, den Hirudo medicinalis und den Hirudo verbana.
Werden Blutegel gezüchtet und wie hältert man sie?
Es gibt Zuchtanstalten in denen Blutegel gezüchtet werden, oder man importiert sie, meist aus der Türkei. Die Zuchtanstalten bieten den Blutegeln ein natürliches Biotop, indem sie sich wohlfühlen und sich somit auch vermehren können. Sie werden mit Schweineblut aus biologisch kontrolliert gehaltenen Schweinen gefüttert. Bevor sie in den Handel kommen sie eine längere Hungerphase durchleben. Bei Importegeln geht man ebenso vor. Die Hälterung in den Zuchtanstalten sorgt für ein niedriges Keimrisiko. Der Blutegel lebt jedoch auch mit physiologischen Keimen, wie auch der Mensch, in Symbiose. Diese Keime (Aeromonas) bergen ein geringes Infektionsrisiko an der Bissstelle. Hierüber muss der Patient, neben der üblichen Aufklärung, selbstverständlich informiert werden. Eine Infektion an der Bissstelle entsteht meist posttherapeutisch, durch Kratzen an der Wunde, oder unsteriles abdecken der Wunden. Das Hältern in der Praxis wird z.B. in Glasgefäßen oder in einem speziell dafür entwickelten Blutegeltopf vorgenommen. Dabei ist darauf zu achten, dass die Egel Ihre Haut abstreifen können, da sie sich mehrfach im Jahr häuten müssen. Das Wasser sollte nicht zu chlorhaltig sein. Eine Möglichkeit ist der Einsatz von Volvic-Wasser. Die Egel können nun etwa 2-3 Monate in der Praxis gehältert werden. Leider kann es dabei dann aber zum Kannibalismus kommen. Daher sollten immer nur so viele Blutegel bestellt werden, wie für eine Therapie benötigt werden. Nach der Therapie werden die Tiere getötet.
Gibt es Kontraindikationen?
Ja die gibt es wie bei fast jeder Therapie. Da das Hirudin und das Calin gerinnungshemmend wirkt, muss ausgeschlossen sein, dass die Patienten nicht unter Antikoagulantien-Therapie stehen. Auch die Bluterkrankheit gilt somit als Kontraindikation. Es versteht sich von selbst, dass Patienten mit einer Anämie (Blutarmut) nicht mit Blutegeln behandelt werden dürfen. Die Behandlung von akuten Infektionserkrankungen, multiplen Allergien, Wundheilungsstörungen, Immunsupression, Neigung zur Keloidbildung und psychische Erkrankungen sind ebenfalls kontraindiziert.
Indikationen
Es gibt kaum eine Krankheit, bei der die Blutegeltherapie noch nicht versucht wurde. Einige der häufigsten Einsatzmöglichkeiten sind: Varikosen (Krampfadern), Tinnitus (Ohrgeräusche), Migräne, Arthrosen (z.B. Kniegelenk oder Rhizarthrose), Karpaltunnelsyndrom oder Epicondylitis (Tennisarm).
Die Liste wäre noch lang.
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